Hauptnavigation
Inhalt

Programmverbreitung Mediengruppe RTL Deutschland setzt Programmverbreitung über DVB-T nicht fort

16.01.2013

Die Mediengruppe RTL Deutschland sieht derzeit keine Möglichkeit für die Fortführung der Terrestrik auf Basis von DVB-T in Deutschland.

Die aktuellen Vereinbarungen der Mediengruppe RTL Deutschland zur Verbreitung der Programme RTL, VOX, SUPER RTL und RTL II sowie in Berlin auch n-tv werden damit zum 31.12.2014 enden. Eine Ausnahme bildet die Region München, bei der die Vereinbarung am 31.7.2013 auslaufen wird. Die betroffenen Haushalte werden durch entsprechend eingeblendete Laufbänder im laufenden Programm gezielt und rechtzeitig vor Auslaufen der DVB-T Verbreitung informiert. Die Mediengruppe RTL Deutschland hat stets betont und darauf hingewiesen, dass die Vorstellungen für die Aufrechterhaltung dieses Verbreitungsweges politische Planungssicherheit und ein belastbares Geschäftsmodell sind. Diese Vorstellungen sind nicht in ausreichendem Maße erfüllt:

Ein durch Bund und Länder gemeinsam garantierter stabiler Verbleib der terrestrischen Frequenzen im Verfügungsbereich des Rundfunks auch über das Jahr 2020 hinaus, der das erforderliche Investitionsvolumen im mittleren zweistelligen Millionenbereich allein für die Mediengruppe RTL Deutschland rechtfertigt, ist nicht erkennbar. Darüber hinaus wäre eine Zukunft der Terrestrik für viele Sender unter stabilen ökonomischen Rahmenbedingungen nur verschlüsselt möglich. Die dazu notwendige Fortentwicklung der Terrestrik in diese neue zukunftsfähige Form ist nur mittels eines Umstiegs der gesamten Branche denkbar. Insoweit lassen weder die Bundesländer noch die verschiedenen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden den notwendigen Willen erkennen, ein solches Projekt zu unterstützen. Zudem sieht die Mediengruppe RTL Deutschland trotz intensiver Bemühungen der Infrastrukturbetreiber bislang kein ökonomisch tragfähiges Geschäftsmodell.

Die Entscheidung betrifft konkret die technische Nutzungsform der Frequenzen mit der DVB-T Technologie in Deutschland. Generell ist die Mediengruppe RTL Deutschland der Überzeugung, dass auch weiterhin eine drahtlose Übertragung für den Rundfunk, auch für die mobile Nutzung, sinnvoll ist. So befindet sich die Mediengruppe RTL derzeit in Verhandlungen zu einem DVB-T2 Projekt in Österreich, im Unterschied zu Deutschland sind dort die Rahmenbedingungen - verschlüsselte Verbreitung sowie eine langfristige Planungssicherheit durch die Sicherstellung der notwendigen Frequenzressourcen - deutlich positiver zu bewerten. Daher setzt sich die Mediengruppe RTL Deutschland dafür ein, diesen Bereich des Frequenzspektrums auch weiterhin einer primären Verbreitung durch den Rundfunk vorzubehalten - welche Technologie hierfür im deutschen Markt die richtige sein wird, werden die kommenden Monate zeigen.

Fakten:
Das digitale Antennenfernsehen DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial) ist der Nachfolger des früheren analogen terrestrischen Fernsehen für das damals die Hausantenne genutzt wurde. DVB-T ist ein internationaler Übertragungsstandard für das digitale Fernsehen, wie DVB-C für die digitale Kabelübertragung und DVB-S für die digitale Satellitenübertragung. Weitere Anbieter liefern darüber hinaus die Möglichkeit, Fernsehen über das Internet (IPTV) zu empfangen.

• DVB-T erheblich weniger Bandbreiten: 30 Programme (117 Satellit und 93 Kabel)
• Marktanteilsbeitrag von DVB-T für Mediengruppe RTL 2012 nur 4,2 %
• DVB-T mit Abstand teuerster Übertragungsweg, 30 mal so teuer wie Satellit

Der Start für DVB-T war 2002 in Berlin-Brandenburg. Es folgten weitere Starts in den Ballungsräumen der jeweiligen Bundesländer. DVB-T startete im Mai 2004 in NRW, Niedersachsen und Bremen, im November 2004 in Hamburg und Schleswig-Holstein, sowie im Dezember 2004 in Hessen. Im Jahr 2005 wurde dann der DVB-T Betrieb in Bayern gestartet.

Im Unterschied zur Übertragung im digitalen Kabel, über IPTV und Satellit bietet DVB-T erheblich weniger Bandbreiten zur Übertragung der Programme. So empfangen DVB-T Nutzer durchschnittlich 30 Programme, während dessen Zuschauer über das digitale Kabel durchschnittlich 93 und über den digitalen Satelliten durchschnittlich 117 Programme empfangen können. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise die Ausstrahlung von Programmen in brillanter HD-Qualität, in etwa drei DVB-T Programmplätze benötigen würden und dadurch nur noch zwei von sechs Programmen der Mediengruppe RTL ausgestrahlt werden könnten.

95,8 % des Gesamtmarktanteils der Mediengruppe RTL Deutschland kommt von Zuschauern aus dem Kabel, digitalem Satellit und IPTV. Obwohl der terrestrische Übertragungsweg bereits vor über zehn Jahren gestartet ist, betrug der Marktanteilsbeitrag von DVB-T bei den Sendern der Mediengruppe RTL Deutschland im Jahr 2012 demnach im Durchschnitt nur 4,2 %. Die Kosten pro erreichtem DVB-T Haushalt liegen um ein Vielfaches über denen der anderen Distributionswege. So ist die Verbreitung der Programme via DVB-T mit Abstand der teuerste Übertragungsweg und im Vergleich zum digitalen Satelliten etwa 30-mal so teuer.

Laut AGF/GfK erreichen die Programme der Mediengruppe RTL Deutschland derzeit bundesweit 1,17 Millionen Haushalte über die DVB-T Verbreitung. Von den auslaufenden Verträgen werden zunächst ab 1.6.2013 ca. 90.000 Haushalte im Großraum München die Programme der Mediengruppe RTL nicht mehr empfangen können. Bei den restlichen Haushalten wäre dies ab 1.1.2015 der Fall.

Bereits im Jahr 2010 gab es bei der sogenannten Digitalen Dividende 1 (Wegfall 790-860 MHz) keine Hilfestellung von Bund und Ländern in Richtung Erhalt der Frequenzen und auch keinerlei Kompensation für das dem Rundfunk weggenommene Frequenzspektrum. Wenn sich hier nun weitere Verluste beim Frequenzspektrum abzeichnen, fehlt uns die erforderliche Planungssicherheit zur Sicherung der Investitionen in einen Weiterbetrieb DVB-T oder dem Wechsel zu DVB-T2. Sicherheit könnte hier nur die Politik, also Bund und Länder geben, in deren Hoheit die Vergabe von Frequenzen liegt. Eine solche Planungssicherheit wurde uns bis heute nicht gegeben.

Kontakt: thomas.bodemer@mediengruppe-rtl.de

Seitenfunktionen
  • Seite empfehlen
Suche, Servicelinks und Favoriten

» Suche